Die Bewegung zur Demontage der Zivilisation

Warum alle Permakultur Designs eine Kultur des Widerstands beeinhalten sollten

 

Dieses Essay ist im Original erschienen in der Colorado Permaculture Guild

Von Jennifer Murnan / Deep Green Resistance

Link zum englischen Original: http://dgrnewsservice.org/resistance-culture/movement-building/movement-dismantle-civilization/

Anmerkung: Der Begriff „Deep Green“ (als Bezeichnung einer politischen Einstellung) wird hier mit „tiefenökologisch“ übersetzt.

Permakultur operiert derzeit im Bereich des „strahlend grünen“ Umweltaktivismus (bright green environmental activism) und ist offenbar getragen von dem Glauben, dass die derzeitige Kultur transformiert werden kann. Warum sollten Permakulturalisten sich mit den tiefenökologischen Umweltaktivisten zusammentun, welche, getragen von dem Glauben, dass Zivilisation irreparabel ist und in der Tat das Leben auf unserem Planeten zerstört, ihre Demontage fordern?

Mir fallen ein paar Gründe ein:
Die Permakulturbewegung war immer gegen die Glaubenssätze und Prinzipien der globalen Zivilisation. Sie sieht die Natur als einen Partner, einen Lehrer und Wegweiser, von dem wir vollkommen abhängig sind und den wir achten sollten. Dies ist ein völliger Gegensatz zu der kulturellen Auffassung der westlichen Zivilisation; das die natürliche Welt hier ist, um uns zu dienen, um benutzt und missbraucht zu werden, und dass dieser Missbrauch zu rechtfertigen ist.

Permakulturpraxis ist definitiv ein Versuch, wegzukommen von dem Modell der Ausbeutung und des Imports von Ressourcen, welches die Zivilisation ausmacht. Permanent an einem Ort zu leben ist die Antithese zu dem Muster, welches Zivilisationen schon immer zeigen. Zivilisationen können nicht an einem Ort leben. Gewaltsam importieren sie menschliche und natürliche Ressourcen und beuten diese aus, zerstören Ökosysteme, führen zu Überbevölkerung und hinterlassen nach ihrem Kollaps eine verarmte Landbasis.
Die westliche industrielle Zivilisation führt dieses Szenario derzeit in einem globalen Maßstab auf. Permakultur kann weder innerhalb der Zivilisation existieren, noch kann sie coexistieren mit einer Zivilisation welche die Welt verschlingt.

Ich denke, es ist seitens der Permakulturalisten weder ethisch noch praktisch, dieses zu versuchen. Ein weiterer Grund liegt in der gemeinsamen Vision, dass die Erde Vorrang hat, welche sowohl die tiefenökologischen Aktivisten als auch Permakultur Aktivisten teilen.

Die erste Ethik der Permakultur lautet „Sorge für die Erde“. Ohne diese Basis sind die beiden weiteren Ethiken „Sorge für den Menschen“ und „Teile den Überschuss“ unmöglich. Gesunde Organismen produzieren einen Überschuss, um die Ökosysteme, in welchen sie existieren, zu ernähren und anzureichern. Einfach ausgedrückt gibt es keine Gesundheit, ohne dass zuerst für die Erde gesorgt wird.

Wie Derrick Jensen in Prämisse sechzehn von Endgame konstatiert, „Die Erde der Punkt. Sie ist die Hauptsache. Sie ist unsere Heimat. Sie ist alles.“

Es gibt Haltungen, die von der Permakultur und der Tiefenökologischen Bewegung geteilt werden. Permakulturalisten glauben daran, mit der Natur zu arbeiten und nicht gegen sie. Die Förderung von Respekt gegenüber allem Leben ist inherent in der Permakulturpraxis. Das Wertschätzen von Menschen und ihren Fertigkeiten führt zu mehr Vielfalt, Kreativität und Produktivität in Permakultur- und tiefenökologischen Gemeinschaften. Der Schulterschluss zwischen tiefenökologischer Bewegung und Permakultur wird in zwei Gestaltungsprinzipien besonders offensichtlich. Der Versuch, traditionelle, permanente Landschaften zu erhalten, zu regenerieren und zu erweitern ist Ziel beider Bewegungen. Biodiversität jeglicher Art zu erhalten und zu fördern gilt sowohl bei Tiefenökologen als auch Permakulturalisten als essentiell für unser Überleben.

Ein primärer Grund für Permakultur, Teil einer Kultur des Widerstands zu werden, ist, dass ihre beiden leitenden Prinzipien eine Aufforderung zur Demontage der Zivilisation darstellen. Das Vorsorgeprinzip besagt, dass wir jedem Verdacht einer ernsthaften Bedrohung begegnen sollten, zumindest solange, bis der Verdacht sich als falsch erweist.

Zivilisation hat ihre Destruktivität gegenüber Ökosystemen seit ihrem Beginn hinreichend bewiesen. Die westliche industrielle Zivilisation führt zur kompletten Zerstörung jedes Ökosystems auf der Erde. Aric McBay schreibt, „die dominante Kultur frisst ganze Biome. Nein, dies ist noch zu großzügig, denn fressen impliziert eine natürliche biologische Beziehung; diese Kultur konsumiert nicht nur Ökosysteme, sie löscht sie aus, ermordet sie, eines nach dem anderen. Diese Kultur ist ein ökologischer Serienmörder, und es ist längst überfällig, dass wir dieses Muster erkennen.“

Eine groß angelegte und effektive Reaktion auf diese Zerstörung ist notwendig. Die Taktiken der Umweltbewegung haben sich bis zu diesem Punkt als ineffizient erwiesen. Wir sind am verlieren. Es ist an der Zeit, unsere Strategie zu ändern. Dies ist der Grund warum die Tiefenökologische Bewegung dafür plädiert, alle Taktiken zu erwägen, welche den Mord an der Erde stoppen könnten. Diese beeinhalten, sind jedoch nicht beschränkt auf: die Anwendung von Permakultur, Änderungen in der Gesetzgebung, legale Aktionen, zivilen Ungehorsam und Sabotage industrieller Infrastruktur.

Es gibt gewisse Probleme damit, an der Permakulturbewegung als alleinige Lösung für die globale Zerstörung festzuhalten. Während der Übergang zur Nachhaltigkeit in unserem privatem Leben wichtig ist, sind die Konfrontation und Demontage der unterdrückerischen Machsysteme, welche Ausbeutung und Ungerechtigkeit in einem globalen Maßstab propagieren, noch wichtiger.

Wenn diese Systeme bestehen bleiben, werden die durch die Anwendung von Permakultur gemachten Fortschritte in der Tat durch die Flutwelle der Zerstörung, welche uns die Zivilisation beschert, weggeschwemmt.

„Jedes ökonomische oder soziale System, das nicht den natürlichen Lebensgemeinschaften zugute kommt auf denen es basiert, ist unnachhaltig, unmoralisch und dumm. Nachhaltigkeit, Moral und Intelligenz (ebenso wie Gerechtigkeit) erfordern die Demontage eines jeden solchen ökonomischen oder sozialen Systems, oder zumindest es ihm zu verweigern, unsere Landbasis zu schädigen“, sagt Derrick Jensen.

Das zweite Leitprinzip der Permakultur, „Gerechtigkeit zwischen den Generationen“, erfordert ebenso sofortiges Handeln als Antwort auf die zerstörerische Kraft der Zivilisation. Dieses Prinzip sagt aus, dass zukünftige Generationen die selben Rechte haben wie wir, was Nahrung, saubere Luft, Wasser und sonstige Ressourcen betrifft. Dieses Statement gilt gleichermaßen für alle Menschen und nicht-Menschen. Täglich werden durch die Aktivitäten der industriellen Zivilisation ganze Spezies von diesem Planeten eliminiert. „Generationenübergreifende Gerechtigkeit“ existiert für sie nicht, Tag für Tag, solange die Zerstörung andauert, sterben weitere Arten aus. Es ist unzumutbar diesem System zu erlauben damit weiterzumachen.

Permakultur basiert auf einer genauen Beobachtung der natürlichen Welt, und ich denke, sie kann ihr volles Potential erst in einer menschlichen Gemeinschaft entfalten, welche die natürlichen Regeln ihrer Landbasis als die primären Gesetze anerkennt.

Permakultur in irgendeinem anderen Kontext als diesem zu praktizieren, führt dazu, dass wir unsere Prinzipien untergraben und alles, was uns nährt und erhält betrügen, alles, was heilig ist, unsere lebendige Erde. Wir können nur wirklich dazugehören in einer Kultur des Widerstands.

Sowohl Permakulturalisten als auch Tiefenökologen wissen, dass die Erde alles ist, dass es kein größeres Gut gibt als diesen Planeten, das Leben selbst. Wir verdanken ihm alles, und ohne ihn sterben wir.
Dies ist alles, wir brauchen einander, jeden, jede Taktik die wir aufbringen können um die Erde zu verteidigen.
Wir konnten uns die Zivilisation noch nie leisten.
Lierre Keith: „Die Aufgabe eines Aktivisten ist nicht, die Systeme der Unterdrückung mit größtmöglicher persönlicher Integrität zu umschiffen. Die Aufgabe ist es, diese Systeme zu Fall zu bringen.“

 

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