Definition von „Zivilisation“

Auf seinen Forschungsreisen stieß Lévi-Strauss auf eine Stammeskultur, die ihm reizbar und brandgefährlich erschien.

Sie plünderte die Natur, verwüstete ganze Landstriche, verehrte affige Götzen, massakrierte ihresgleichen und war berüchtigt für ihre historischen Gemetzel.

Inzwischen hat diese exotische Stammeskultur alle Mitbewerber aus dem Feld geschlagen und beherrscht die Welt.

Ihr Name lautet »Zivilisation«.

http://www.zeit.de/2008/48/Levi-Strauss-100/
Claude Levi-Strauss (1978):
Traurige Tropen, Surkamp

Deep Green Resistance verwendet Derrick Jensen’s Definition von Zivilisation, die er in Endgame vol. 1, s. 17) wie folgt auslegt:
„(…) eine Kultur – bestehend aus einem Komplex aus Geschichten, Institutionen und Artefakten – die zum Wachstum von Städten führt und sich gleichzeitig aus diesem herausbildet (…), mit Städten definiert als – um sie von Lagern, Dörfern und so weiter zu unterscheiden – Menschen, die mehr oder weniger permanent an einem Ort und in einer Dichte leben, welche den routinemäßigen Import von Nahrungsmitteln und anderen Notwendigkeiten des Lebens erfordern. Somit wäre ein Tolowa Dorf vor fünfhundert Jahren, wo ich lebe in Tu’nes (…), welches nun Crescent City, Kalifornien heißt, keine Stadt gewesen, da die Tolowa einheimischen Lachs, Muscheln, Hirsche, Heidelbeeren und so weiter aßen und keinen Bedarf hatten, Nahrungsmittel von woanders zu beschaffen. Somit wären, nach meiner Definition, die Tolowa, deren Lebensstil nicht durch das Wachstum von Städten charakterisiert war, nicht zivilisiert. Die Azteken auf der anderen Seite waren es. Ihre soziale Struktur führte zwangsläufig zu großen Stadtstaaten wie Iztapalapa und Tenochtitlan, von welchen der letztere, als Europäer auf ihn stießen, weit größer war als jede Stadt in Europa, mit einer Population fünf mal der von London oder Sevilla.“

Aus Derrick Jensen (2006): Endgame Vol 2 „Resistance“ s. 820:
„Sogar diejenigen unter uns, die unsere Zivilisation ablehnen, tun dies oft im unerschütterlichen Glauben, dass die Zivilisation gewinnen wird, zumindest in einer kurzfristigen Perspektive. Sie hat schon so viele besiegt, die sie vor uns bekämpft haben, also wird sie sicherlich auch uns besiegen. Auch dieser Glaube ist so allgemein verbreitet, dass er nicht mehr als ein Glaubenssatz begriffen wird, sondern einfach als die Lage der Dinge.
Aber Zivilisation ist nicht Schwerkraft. Sie ist keine unveränderbare Kraft der Natur. Sie ist nicht mehr oder weniger als eine Art der gesell-schaftlichen Organisation unter vielen. Sie ist eine gesellschaftliche Organisation, zentriert um Krieg und die Maximierung der Ausbeutung von Ressourcen. Zivilisation ist eine große Masse von Menschen, die individuell und kollektiv in den Wahnsinn getrieben wurden, aus ihrem Verstand und ihren Körpern gleichermaßen vertrieben durch die ausbeuterische Gewalt, welche diese Art der sozialen Organisation charakterisiert. Zivilisation ist nicht mehr noch weniger als Städte, die zunehmend ausgeklügelte Technologien benutzen und ein zunehmendes Maß an Gewalt, um zunehmende Mengen von Ressourcen aus zunehmend erschöpften, zunehmend größeren Teilen des Globus zu stehlen.
Das ist es. Das ist alles, was es ist. Und es wird nicht andauern.“

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